Ein Zeichen gegen das Vergessen

Wer durch die Stiftstraße in Taunusstein-Bleidenstadt läuft, übersieht sie leicht: kleine Messingplatten im Gehweg. Doch hinter diesen Stolpersteinen verbirgt sich die Geschichte der Familie Kahn, die ihre Heimat 1935 verlassen musste, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entkommen.

Die Stolpersteine vor der ehemaligen Wohn- und Geschäftsadresse erinnern uns an Sally Kahn und seine Kinder Rosa, Margarethe und Albert.

Sally Kahn war weit mehr als nur ein Bewohner Bleidenstadts. Als Fleischmeister, Obermeister der Metzgerinnung und Mitglied des Kreistages war er fest in das gesellschaftliche Leben der Gemeinde eingebunden. Trotz seiner Verdienste blieb auch seine Familie nicht von der zunehmenden Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit verschont. Dies führte zu der schwierigen Entscheidung die Heimat zu verlassen und von Vorne ein neues Leben aufzubauen. Nachdem Haus und Geschäft verkauft worden waren, verließ die Familie Deutschland Ende 1935 und reiste nach Argentinien, wo sie sich in der Siedlung Colonia Avigdor niederließen. Ihre rechtzeitige Flucht bewahrte sie vor dem Schicksal vieler Opfer des Nationalsozialismus.

Im Rahmen einer Exkursion ließen wir, der Geschichte-Grundkurs der Q2e des Gymnasiums Taunusstein – die Stolpersteine der Familie Kahn wieder erstrahlen und setzten damit ein kleines Zeichen gegen das Vergessen.

Die Reinigung der Stolpersteine leistet aus unserer Sicht einen Beitrag zur Erinnerungskultur, weil sie hilft die Namen und Geschichten der Menschen sichtbar zu halten, die einst Teil unserer Gesellschaft waren. Die Ausgrenzung, die Entrechtung, die Verfolgung während der NS-Zeit betraf nicht nur die Menschen, von denen in unseren Büchern die Rede ist, nein, sie fand auch hier statt, in unserem Ort. Vor aller Augen.

Verfasserin: Hania Saidi, Q2e